Glossar

GMP

Regelwerk für die qualitätsgesicherte Herstellung pharmazeutischer Produkte.

Auch bekannt als: Good Manufacturing Practice, Gute Herstellungspraxis

Good Manufacturing Practice ist das Regelwerk für die qualitätsgesicherte Herstellung von Arzneimitteln und Wirkstoffen. In der EU ist der EU-GMP-Leitfaden mit Teil I, Teil II und den Anhängen über die nationale Arzneimittelgesetzgebung verbindlich.

Aufbau des EU-GMP-Leitfadens

Teil I regelt die Herstellung von Fertigarzneimitteln in neun Kapiteln: Pharmazeutisches Qualitätssystem, Personal, Räume und Ausrüstung, Dokumentation, Produktion, Qualitätskontrolle, Auftragsherstellung, Beanstandungen und Rückruf sowie Selbstinspektion. Teil II betrifft Wirkstoffe. Die Anhänge konkretisieren Spezialthemen, darunter Annex 1 für sterile Arzneimittel, Annex 11 für computergestützte Systeme und Annex 15 für Qualifizierung und Validierung.

Ergänzend gelten die ICH-Leitlinien, insbesondere Q9 für Qualitätsrisikomanagement und Q10 für das pharmazeutische Qualitätssystem.

Was GMP für Reinräume und Reinigung bedeutet

Aus Kapitel 3 folgen Anforderungen an Auslegung, Zonierung, Reinigbarkeit und Instandhaltung von Räumen. Aus Kapitel 4 folgt, dass jede Reinigungstätigkeit über SOP geregelt und zeitnah dokumentiert werden muss. Aus Kapitel 5 folgen Kontaminationsvermeidung und Reinigungsvalidierung, aus Kapitel 2 die Anforderung, Personal – auch externes Reinigungspersonal – qualifiziert und geschult einzusetzen.

Der zentrale Grundsatz lautet: Was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht durchgeführt. Nachträgliche Sammeleinträge in Reinigungslisten sind ein häufiger Beanstandungsgrund.

Überwachung und Konsequenzen

Die Einhaltung wird durch Landesbehörden inspiziert; Ergebnis ist ein GMP-Zertifikat oder eine Beanstandungsliste mit kritischen, schwerwiegenden und sonstigen Findings. Bei kritischen Mängeln drohen Herstellungsstopp und Rückruf.

Die Zusammenarbeit über PIC/S sorgt dafür, dass die Anforderungen international weitgehend angeglichen sind; in den USA gelten zusätzlich die 21 CFR Parts 210/211.

Praxishinweise und typische Fehler

  • Reinigungsdokumentation zeitnah und mit eindeutigem Handzeichen führen – keine Vorabzeichnung.
  • Externe Dienstleister brauchen Qualitätsvereinbarung, Schulungsnachweis und Zugangsregelung.
  • Änderungen an Reinigungsmitteln oder -verfahren laufen über Change Control.

Häufige Fragen

Ist GMP ein Gesetz?

Der Leitfaden selbst ist eine Leitlinie, wird aber über EU-Richtlinien und nationale Regelungen wie die AMWHV rechtlich verbindlich.

Gilt GMP für Medizinprodukte?

Nein, dort gilt primär ISO 13485 und die MDR. Bei Kombinationsprodukten und sterilen Medizinprodukten werden GMP-Elemente aber häufig herangezogen.

Wie oft wird inspiziert?

Risikobasiert, typisch alle zwei bis drei Jahre, bei kritischen Produkten häufiger.

Quellen

  • EudraLex Volume 4: EU Guidelines for Good Manufacturing Practice · Europäische Kommission Offizieller Link
  • ICH Q10 Pharmaceutical Quality System · ICH
  • AMWHV · Bundesministerium für Gesundheit