Glossar

Contamination Control Strategy

Übergreifende Strategie zur Beherrschung aller Kontaminationsquellen.

Auch bekannt als: CCS, Kontaminationskontrollstrategie

Die Contamination Control Strategy ist das übergreifende Dokument, mit dem ein Standort begründet, wie er partikuläre, mikrobielle und pyrogene Kontamination beherrscht. Sie wurde mit EU-GMP Annex 1 (2022) verbindlich und ist seither einer der häufigsten Prüfpunkte in Inspektionen.

Inhalt einer belastbaren CCS

Die CCS beschreibt Anlagen- und Raumkonzept, Zonierung und Druckstufen, Luftführung und Filterkonzept, Personal- und Materialflüsse, Bekleidungssystem, Reinigung und Desinfektion, Sterilisation und Dekontamination, Umgebungsmonitoring, Wasser- und Mediensysteme, Wartung, Änderungskontrolle sowie Schulung und Qualifizierung des Personals.

Entscheidend ist nicht die Aufzählung, sondern die Verknüpfung: Für jedes identifizierte Risiko muss erkennbar sein, welche Maßnahme es abdeckt, wie die Wirksamkeit überwacht wird und welche Daten die Beherrschung belegen.

Vorgehen beim Aufbau

Bewährt hat sich ein dreistufiges Vorgehen: Prozess und Zonen kartieren, Kontaminationsquellen je Prozessschritt bewerten, Maßnahmen und Überwachung dagegenstellen. Als Methodik werden Risikoanalysen nach ICH Q9 eingesetzt, häufig FMEA oder ein strukturiertes Risk Ranking.

Die CCS bleibt ein lebendes Dokument. Jede Änderung an Layout, Bekleidung, Reinigungsmitteln, Anlagen oder Prozessführung löst eine Bewertung aus, ob die Strategie noch trägt.

Typische Schwächen

Häufig ist die CCS eine Sammlung von Verweisen auf bestehende SOPs ohne eigene Bewertung. Ebenso häufig fehlt die Rückkopplung: Monitoringtrends, Abweichungen und Media-Fill-Ergebnisse werden nicht genutzt, um die Strategie zu überprüfen.

Eine dritte Schwäche betrifft die Reinigung: Wirkstoffrotation, Einwirkzeiten und Oberflächenverträglichkeit sind oft nicht wissenschaftlich begründet, sondern historisch gewachsen.

Praxishinweise und typische Fehler

  • Die CCS braucht einen verantwortlichen Owner und eine dokumentierte periodische Bewertung.
  • Monitoringdaten, Abweichungen und Media Fills gehören als Wirksamkeitsnachweis in die CCS-Review.
  • Externe Reinigungsdienstleister sind Teil der Strategie – Qualifikation und Schulungsnachweise müssen vorliegen.

Häufige Fragen

Muss die CCS ein einzelnes Dokument sein?

Nein, sie darf auf bestehende Dokumente verweisen. Es braucht aber ein übergeordnetes Dokument mit der Gesamtbewertung und den Verknüpfungen.

Wer erstellt die CCS?

In der Praxis ein interdisziplinäres Team aus Qualität, Produktion, Technik, Mikrobiologie und Reinigung; die Verantwortung liegt bei der Qualitätseinheit.

Gilt die CCS auch für nicht sterile Herstellung?

Nicht formal, die Systematik wird aber zunehmend auch dort erwartet, wo mikrobielle Qualität produktkritisch ist.

Quellen

  • EU-GMP Annex 1 (2022), Abschnitt 2: Contamination Control Strategy · Europäische Kommission
  • ICH Q9 (R1) Quality Risk Management · ICH
  • PIC/S PE 009 · PIC/S