Glossar

Fasern

Textile Partikel > 100 µm, typische Sekundärkontamination.

Fasern sind langgestreckte Partikel, üblicherweise ab etwa 100 µm Länge mit hohem Längen-Durchmesser-Verhältnis. Sie sind eine der häufigsten sichtbaren Kontaminationen im Reinraum und stammen fast immer aus Bekleidung, Wischmaterial oder Verpackung.

Quellen und Besonderheiten

Typische Quellen sind ungeeignete Kleidung und Unterbekleidung, gewebte Tücher mit geschnittenen Kanten, Zellstoff- und Papierprodukte, Kartonverpackungen, Kabelbinder und abgenutzte Reinigungsutensilien. Auch Mehrwegbekleidung emittiert mit steigender Zyklenzahl mehr Fasern.

Fasern verhalten sich anders als kompakte Partikel: Sie sedimentieren langsamer, haften elektrostatisch, werden beim Wischen leicht wieder aufgewirbelt und sind für optische Partikelzähler schwer korrekt erfassbar, weil das Streulichtsignal von der Orientierung abhängt.

Vermeidung

Wirksam sind faserarme Tücher mit versiegelten oder ultraschallgeschnittenen Kanten, Mikrofaser- oder Polyestergewebe statt Zellstoff, Verzicht auf Papier und Karton im Reinbereich, konsequente Materialschleusung mit Umpacken sowie Prüfung und Austausch abgenutzter Bekleidung.

Bei der Reinigung senkt feuchtes Wischen den Faseraustrag deutlich; trockene Verfahren und abgenutzte Bezüge erhöhen ihn. Bei Mehrwegsystemen ist die Zyklenzahl ein realer Qualitätsparameter, nicht nur eine Kostenfrage.

Bewertung im Prozess

Für partikelempfindliche Produkte, Optiken, Beschichtungen und Medizinprodukte ist Faserkontamination oft der kritischste Einzelmangel, weil sie sichtbar ist und zu Reklamationen führt. Bewertet wird über Oberflächenprüfungen nach ISO 14644-9, visuelle Kontrollen mit definierter Beleuchtung und in der Automobilindustrie über die Faserauswertung nach VDA 19.

Bei Faserfunden lohnt die Herkunftsanalyse per Mikroskopie: Material und Färbung weisen meist direkt auf Kleidung, Tuch oder Verpackung als Quelle.

Praxishinweise und typische Fehler

  • Tücher mit versiegelten Kanten verwenden und Kantenqualität bei der Beschaffung prüfen.
  • Kartonagen und Papier grundsätzlich in der Materialschleuse belassen.
  • Bei wiederkehrenden Faserfunden Mikroskopie zur Quellenbestimmung einsetzen.

Häufige Fragen

Werden Fasern von Partikelzählern erfasst?

Nur eingeschränkt. Das Streulichtsignal hängt von der Orientierung ab, deshalb sind Oberflächenprüfungen aussagekräftiger.

Sind Mikrofasertücher immer faserarm?

Nein. Entscheidend sind Kantenausführung, Gewebeart und Zustand; geschnittene Kanten sind eine typische Faserquelle.

Wie lassen sich Fasern entfernen?

Über feuchtes Wischen, HEPA-Sauger mit geeigneter Düse und Klebematten beziehungsweise Klebewalzen bei kritischen Oberflächen.

Quellen

  • ISO 14644-9: Oberflächenreinheit nach Partikelkonzentration · ISO
  • VDA 19 Teil 1: Faserauswertung · VDA QMC
  • IEST-RP-CC004: Evaluating Wiping Materials · IEST

Siehe auch