Glossar

AMC

Molekulare Kontaminanten in der Luft, kritisch v. a. in der Halbleiterfertigung.

Auch bekannt als: Airborne Molecular Contamination, molekulare Kontamination

Airborne Molecular Contamination bezeichnet gasförmige und molekulare Verunreinigungen der Reinraumluft. Sie werden von Partikelzählern nicht erfasst und sind vor allem in der Halbleiter-, Display- und Optikfertigung ein eigenständiges Kontaminationsthema.

Stoffgruppen und Wirkung

Üblich ist die Einteilung in Säuren, Basen, kondensierbare Stoffe und Dopanden. Säuren wie Schwefel- oder Flusssäurespuren korrodieren Metallisierungen, Basen wie Ammoniak beeinträchtigen Fotolackprozesse, kondensierbare Organik bildet Filme auf Wafern und Optiken, Dopanden wie Bor oder Phosphor verändern elektrische Eigenschaften.

Die relevanten Konzentrationen liegen im ppb- bis ppt-Bereich. Quellen sind Prozesschemie, Außenluft, Baustoffe, Dichtmassen, Kunststoffe, Reinigungsmittel und das Personal selbst.

Kontrolle und Messung

Beherrscht wird AMC über Chemiefilter in der Zu- und Umluft, konsequente Materialauswahl mit Ausgasungsprüfung, Druckstufen gegenüber weniger sauberen Bereichen und Minienvironments beziehungsweise geschlossene Wafertransportsysteme.

Gemessen wird über Passivsammler, Impinger, Ionenchromatografie oder online mit Ionenmobilitätsspektrometrie und Massenspektrometrie. Die ISO-Reihe 14644-8 und 14644-10 liefert den Rahmen für die Klassifizierung molekularer Kontamination in Luft und auf Oberflächen.

Bedeutung für Reinigung und Betrieb

Reinigungsmittel und Desinfektionsmittel sind eine relevante AMC-Quelle. Alkoholische Präparate, Aminverbindungen in Korrosionsschutzmitteln oder Duftstoffe können ganze Prozessfenster verschieben. In AMC-kritischen Bereichen werden deshalb Reinigungsmedien freigegeben wie Prozesschemikalien.

Auch Verbrauchsmaterial ist zu prüfen: Tücher, Handschuhe und Verpackungsfolien bringen Gleitmittel, Weichmacher und Siloxane ein.

Praxishinweise und typische Fehler

  • Neue Reinigungsmittel vor der Einführung auf Ausgasung und Ionenfracht prüfen lassen.
  • Chemiefilter haben eine Beladungsgrenze und keine sichtbare Standzeitanzeige – Wechselintervalle datenbasiert festlegen.
  • Bauarbeiten und Silikonfugen sind typische AMC-Spitzenquellen nach Umbauten.

Häufige Fragen

Erkennt ein Partikelzähler AMC?

Nein. Molekulare Kontamination liegt unterhalb der Detektionsgrenze optischer Partikelzähler und braucht chemische Analytik.

Ist AMC im Pharmabereich relevant?

Meist untergeordnet, kann aber bei empfindlichen Wirkstoffen, bei Lyophilisation oder bei Rückständen aus Dekontaminationsverfahren wie VHP eine Rolle spielen.

Welche Norm gilt?

ISO 14644-8 für molekulare Kontamination in der Luft, ISO 14644-10 für Oberflächen; branchenspezifisch ergänzt durch SEMI-Dokumente.

Quellen

  • ISO 14644-8: Klassifizierung molekularer Kontamination in der Luft · ISO
  • ISO 14644-10: Klassifizierung von Oberflächenreinheit nach chemischen Verunreinigungen · ISO
  • VDI 2083 Blatt 8 · VDI