Kontaminationswissen
Mykoplasmen in Zellkultur und Biotechnologie
Mykoplasmen sind schwer sichtbare Zellkulturkontaminanten mit hohem Kreuzkontaminationspotenzial.
MikrobiologischZell- und GentherapieSchutzziel: Prozess- und Produktschutz in ATMP, Biotech und Diagnostik.Nachweis: Mykoplasmentest
Kurzprofil
- Kontaminationsgruppe
- Mikrobiologisch
- Klassifizierung
- Mikrobiologische Kontamination in biotechnologischen Prozessen.
- Größe / Erscheinungsform
- Sehr klein, filtergängig durch Standard-Sterilfilter (0,2 µm) teilweise möglich.
- Persistenz
- In Zellkultursystemen sehr persistent.
- Resistenz
- Widerstandsfähig gegen viele Antibiotika-Standards; klassische Sterilfiltration nicht ausreichend.
- Primäres Schutzziel
- Prozess- und Produktschutz in ATMP, Biotech und Diagnostik.
- Reinigbarkeit (Hinweis)
- Auf Oberflächen prinzipiell adressierbar; Grundproblem ist meist die Zelllinie oder Reagenz.
- Desinfizierbarkeit (Hinweis)
- Verfahren müssen für Mykoplasmen belegt sein.
- Besonderes Risiko
- Verlust ganzer Chargen oder Zellbanken bei später Erkennung.
Kurzantwort
Zellwandlose, sehr kleine Prokaryonten (0,1–0,3 µm), die Zellkulturen kontaminieren können und mit klassischer Mikroskopie schwer zu erkennen sind.
Typische Quellen
- Kontaminierte Zelllinien
- Personal
- Medien und Sera
- Laborgeräte (Pipetten, Zentrifugen)
Übertragungs- und Entstehungswege
- Cross-Kontamination in Inkubatoren
- Sicherheitswerkbänke
- Reagenzien
Betroffene Branchen und Prozesse
Branchen
- Zell- und Gentherapie
- Biotechnologie
- Impfstoff
- Diagnostik
Prozesse
- Zellkultur
- Vektorproduktion
- Analytik
Typische kritische Bereiche
- Inkubatoren
- Sicherheitswerkbänke
- Zellbanken
Mögliche Auswirkungen
- Verlust von Zelllinien
- Verfälschte Assay-Ergebnisse
- Regulatorische Probleme
Nachweismethoden
Mykoplasmentest
Misst: Mykoplasmen in Zellkulturen und biotechnologischen Prozessen.
Nicht: Andere mikrobielle Kontaminationen.
PCR / qPCR
Misst: Definierte DNA-/RNA-Sequenzen, ggf. quantitativ (qPCR).
Nicht: Vitalität – auch inaktivierte Erreger geben ein Signal.
Kultureller Nachweis
Misst: Vermehrungsfähige Mikroorganismen, ggf. mit Speziesbestimmung.
Nicht: Nicht-kultivierbare Erreger, Viren, Endotoxine.
Positivbefund erfordert Quarantäne und Ursachenanalyse – häufig auf Ebene Zelllinie und Reagenzien.
Präventionsmaßnahmen
- Qualifizierte Zellbanken
- Getestete Medien und Sera
- Getrennte Arbeit an Zelllinien
- Regelmäßige Prüfungen nach Ph. Eur. 2.6.7
Reinigungs- und Dekontaminationsansätze
- Reinigung von Inkubatoren und Sicherheitswerkbänken nach validiertem Verfahren
- Trennung von Verbrauchsmaterial
- Kontaminierte Materialien konsequent verwerfen
Mögliche Desinfektionsansätze
- Wirkstoffwahl anhand Datenlage
- Kombination Reinigung + Wirksamkeitsnachweis erforderlich
Grenzen der Verfahren
- Flächenreinigung entfernt keine Zelllinienkontamination
- Chargen- oder Zelllinienentscheidungen können nötig sein
- Sterilfiltration nicht per se ausreichend
Materialverträglichkeit und Arbeitsschutz
Reinigung von Inkubatoren erfordert Verträglichkeitsprüfung (Kunststoffe, Sensoren).
Arbeitsschutz
- Standardhygiene BSL-1/2
- PSA nach lokalem Konzept
Freigabe und Kontrollmaßnahmen
- Wiederholte Mykoplasmentests nach Reinigung
- Freigabe der Zellbank nach Ph. Eur. 2.6.7
Typische Fehler
Kein Routinescreening
Sterilfiltration als ausreichend angenommen
Ursache nur in Reinraum gesucht, Zelllinie nicht überprüft
Kreuznutzung von Pipetten
Fehlende Quarantäne bei Verdacht
Reagenzien nicht getestet
Chargenentscheidung zu spät
Trending fehlt
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Häufige Fragen
Warum sind Sterilfilter nicht ausreichend?
Mykoplasmen können 0,2-µm-Filter partiell passieren; hier sind spezielle Filter (0,1 µm) und Prozessdesign erforderlich.
Reicht optische Kontrolle?
Nein. Mykoplasmen sind lichtmikroskopisch schwer zu erkennen; Nachweis über Kultur und PCR nach Ph. Eur. 2.6.7.
Quellen und Reviewstatus
- Ph. Eur. 2.6.7 – Mycoplasmas
- FDA Guidance for Industry: Cell Substrates
Redaktionell geprüft am 1.2.2026 · Nächste Prüfung geplant für 1.2.2027.
