Kontaminationswissen

Fasern als Kontaminationsquelle im Reinraum

Fasern sind sichtbare Fremdkörper und können Produktqualität, Optik und Funktion beeinträchtigen.

PartikulärPharmaSchutzziel: Produkt- und Prozessschutz.Nachweis: Mikroskopie (Licht/REM)

Kurzprofil

Kontaminationsgruppe
Partikulär
Klassifizierung
Partikuläre Kontamination, oft sichtbar.
Größe / Erscheinungsform
Länge > 10-fache Breite, mikroskopisch bis makroskopisch.
Persistenz
Mäßig, aber weitverteilbar über Luftströme.
Resistenz
Materialabhängig; teils fusselarm, teils stark faserabgebend.
Primäres Schutzziel
Produkt- und Prozessschutz.
Reinigbarkeit (Hinweis)
Reinigbarkeit gut, sofern geeignete Materialien eingesetzt werden.
Desinfizierbarkeit (Hinweis)
Nicht relevant – Ziel ist Entfernung, keine Inaktivierung.
Besonderes Risiko
Sichtbare Fremdkörper mit hoher Sichtbarkeit für Kunden und Auditoren.

Kurzantwort

Faserförmige Partikel aus Textilien, Papier, Verpackung, Isoliermaterial oder ungeeigneten Reinigungsmaterialien.

Typische Quellen

  • Bekleidung, Handschuhe
  • Papier, Karton, Etiketten
  • Reinigungstücher und Mopps ohne Reinraumeignung
  • Isolierstoffe, Filtermaterial

Übertragungs- und Entstehungswege

  • Bewegung von Personal
  • Materialtransfer
  • Luftströmung

Betroffene Branchen und Prozesse

Branchen
  • Pharma
  • Medizintechnik
  • Halbleiter
  • Optik
  • Batterie
Prozesse
  • Verpackung
  • Montage
  • Beschichtung
Typische kritische Bereiche
  • Materialschleusen
  • Verpackungsbereiche
  • Ankleidezonen

Mögliche Auswirkungen

  • Sichtbare Fremdkörper im Produkt
  • Optische Fehler
  • Kurzschlüsse in Elektronik
  • Kunden­reklamationen

Nachweismethoden

Mikroskopie (Licht/REM)
Misst: Größe, Morphologie und teilweise Elementzusammensetzung (REM/EDX) einzelner Partikel.
Nicht: Vitalität, Volumenbezug.
Partikelmessung Luft
Misst: Nicht-lebende Partikel definierter Größenklassen in der Luft.
Nicht: Vitalität der Partikel, Identität (Herkunft), AMC.
Oberflächenpartikelmessung
Misst: Partikeldichte auf Oberflächen (ISO 14644-9), z. B. per Streulicht oder Abklatsch.
Nicht: Chemische oder mikrobielle Identität der Partikel.
Technische Restschmutzanalyse (VDA 19)
Misst: Partikuläre Verunreinigung auf Bauteilen, ausgespült und gewichtet/gezählt.
Nicht: Löslichkeit oder Toxizität.

Fasernachweis identifiziert häufig die Materialquelle direkt (z. B. blau = Handschuh, weiß = Textil).

Präventionsmaßnahmen

  • Reinraumgerechte Textilien
  • Fusselarme Wischsysteme
  • Verbot Papier/Karton in kritischen Zonen
  • Ankleidesystematik prüfen

Reinigungs- und Dekontaminationsansätze

  • HEPA-gefiltertes Saugen ergänzend zu feuchter Wischreinigung
  • Statik minimieren (leitfähige Systeme)
  • Klebrollen bei Bekleidung

Mögliche Desinfektionsansätze

  • Fasern sind kein mikrobiologisches Ziel – Fokus auf Entfernung, nicht Inaktivierung

Grenzen der Verfahren

  • Feuchte Wischreinigung entfernt viel, aber nicht alles
  • Elektrostatische Anhaftung erschwert Entfernung

Materialverträglichkeit und Arbeitsschutz

Standard-Reinigungsverfahren; keine besonderen Chemie-Anforderungen.

Arbeitsschutz
  • Übliche Reinraum-PSA

Freigabe und Kontrollmaßnahmen

  • Sichtkontrolle unter Beleuchtung
  • Oberflächenpartikelmessung

Typische Fehler

Kartonagen bis in Grade B/C mitgenommen
Ungeeignete Wischtücher
Papierdokumente im Reinraum
Elektrostatisch aufladbare Bekleidung
Keine Kontrolle der Fasereinträge
Reinigungswagen fasernd
Klebrollen nicht genutzt
Trockenwischen ohne Aufnahme

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Häufige Fragen

Warum sind Papier und Karton im Reinraum problematisch?

Sie geben Fasern und Partikel ab. In kontrollierten Zonen sind reinraumgeeignete Alternativen erforderlich.

Reichen fusselarme Mopps?

Sie sind Voraussetzung, aber nicht ausreichend – Bekleidung, Handschuhe und Verpackung müssen mitbetrachtet werden.

Quellen und Reviewstatus

  • IEST-RP-CC004 – Wiper Standards
  • ISO 14644-9 – Oberflächenpartikel

Redaktionell geprüft am 1.2.2026 · Nächste Prüfung geplant für 1.2.2027.