Wissen · GMP & Annex 1

GMP & Annex 1

EU-GMP Annex 1 (2022) · Contamination Control Strategy · Barrieresysteme · Reinraumklassen · Monitoring · Reinigung · Qualifizierung · aseptische Herstellung.

Grundlagen

Was ist GMP?

Warum gibt es Annex 1?

Sterile Arzneimittel gelangen direkt in den Körper – jede Kontamination ist ein Patientenrisiko. Annex 1 legt fest, wie Kontaminationskontrolle systematisch, risikobasiert und nachvollziehbar umgesetzt wird.

Warum wurde 2022 überarbeitet?

Neue Technologien (Isolatoren, Single-Use), moderne Risikomethodik (ICH Q9) und wiederkehrende Inspektionsbefunde führten zu einer grundlegenden Neufassung mit CCS als Herzstück.

Für wen gilt Annex 1?

Für alle Hersteller steriler Arzneimittel in der EU. Über PIC/S faktisch weltweiter Referenzstandard – auch für ATMP, Zell- und Gentherapie, Krankenhausapotheken und viele Medizinproduktehersteller.

Welche Behörden prüfen?

EMA und nationale Behörden in der EU, MHRA (UK), Swissmedic, PIC/S-Staaten weltweit. Die FDA prüft nach 21 CFR 211 und dem aseptic guide, referenziert Annex 1 aber als Stand der Technik.

Historie

Entwicklung von Annex 1

  1. 1970
    1970er
    Erste GMP-Richtlinien

    WHO und nationale Behörden formulieren die ersten verbindlichen Regeln für die pharmazeutische Herstellung. Ziel: reproduzierbare Qualität und Patientensicherheit.

  2. 1989
    1989
    Erster EU-GMP Annex 1

    Erste EU-Fassung speziell für sterile Arzneimittel. Fokus: Reinraumklassen, HEPA-Filtration, mikrobiologisches Monitoring.

  3. 2008
    2008
    Revision Annex 1

    Klassifizierung nach ISO 14644-1, Grade A–D, Fokus auf aseptische Abfüllung, Media Fill und Umweltmonitoring.

  4. 2022
    2022
    Große Revision – heute gültig

    Contamination Control Strategy (CCS) als Kernkonzept, Barrieresysteme (RABS/Isolatoren) als Stand der Technik, Quality Risk Management (ICH Q9), Pre-Use Post-Sterilisation Integrity Testing (PUPSIT), Trendanalysen, APS-Neuregelung.

  5. 2023
    2023–2026
    Umsetzung & Inspektionen

    EMA, PIC/S, MHRA und FDA prüfen zunehmend gegen die Anforderungen von 2022. Häufige Findings: fehlende CCS, unzureichende Trendanalysen, Personalqualifikation, fehlende Rotation der Desinfektionsmittel.

Annex 1 (2022)

Die wichtigsten Neuerungen

Die Revision 2022 hat den Charakter des Annex grundlegend verändert: weg von einer Sammlung technischer Anforderungen, hin zu einem integrierten Kontaminationskontroll-Konzept mit klaren Erwartungen an Risikomanagement, Barrieretechnologie, Monitoring und Personal.

Contamination Control Strategy (CCS)

Warum eingeführt?
Bisher waren Anforderungen an Kontaminationskontrolle über viele SOPs verstreut.
Was bedeutet das?
Verpflichtendes, dokumentiertes Gesamtkonzept, das alle kontaminationsrelevanten Elemente eines Standorts systematisch verknüpft.
Was ist zu tun?
CCS-Dokument aufsetzen, Verantwortlichkeiten festlegen, jährlich reviewen und mit QRM-Prozessen verzahnen.

Barrieresysteme als Stand der Technik

Warum eingeführt?
Offene aseptische Prozesse sind das größte Kontaminationsrisiko.
Was bedeutet das?
Isolatoren und RABS werden ausdrücklich empfohlen, offene Prozesse müssen begründet werden.
Was ist zu tun?
Technologiestrategie bewerten, ggf. Umrüstung planen, Dekontamination (z. B. VHP) qualifizieren.

Quality Risk Management (ICH Q9)

Warum eingeführt?
Reine Prozeduren reichen nicht mehr aus.
Was bedeutet das?
Alle Kontaminationsrisiken müssen strukturiert bewertet werden (FMEA, HACCP, Risk Ranking).
Was ist zu tun?
Risikobewertungen dokumentieren, in die CCS einbetten, regelmäßig aktualisieren.

Visualisierung & Airflow-Studien

Warum eingeführt?
Turbulenzen und Deadlegs sind unsichtbar, aber kontaminationskritisch.
Was bedeutet das?
Rauchstudien (Smoke Studies) für Grade A/B mit Video-Dokumentation in Ruhe- und Betriebszustand.
Was ist zu tun?
Airflow-Visualisierung planen, bewerten, dokumentieren – bei Änderungen wiederholen.

Umweltmonitoring & Trendanalyse

Warum eingeführt?
Isolierte Grenzwertüberschreitungen sagen wenig aus.
Was bedeutet das?
Systematische Trendanalyse mit Alarm- und Aktionsgrenzen, statistisch begründet.
Was ist zu tun?
Monitoring-Programm überarbeiten, Trendberichte automatisieren, Reviews im QMS verankern.

Aseptic Process Simulation (APS)

Warum eingeführt?
Media Fills werden häufig zu wenig herausfordernd durchgeführt.
Was bedeutet das?
Simulation muss Worst-Case-Interventionen abbilden, mindestens halbjährlich je Line/Shift.
Was ist zu tun?
APS-Konzept überarbeiten, Interventionsliste erweitern, klare Akzeptanzkriterien definieren.

Personal & Gowning

Warum eingeführt?
Personal ist die größte Kontaminationsquelle in Grade A/B.
Was bedeutet das?
Verschärftes Training, Requalifizierung, dokumentierte Gowning-Qualifikation, Bewegungsregeln.
Was ist zu tun?
Trainingsmatrix aufbauen, jährliche Gowning-Requalifizierung, Videotraining ergänzen.

Single-Use Systeme

Warum eingeführt?
Zunehmender Einsatz, aber neue Risiken (Extractables, Leachables, Integrität).
Was bedeutet das?
Explizite Anforderungen an Qualifizierung, Lieferantenmanagement und Integritätsprüfung.
Was ist zu tun?
Single-Use Strategy in die CCS aufnehmen, PUPSIT bewerten.

Filter Integrity & PUPSIT

Warum eingeführt?
Filter-Schäden vor der Sterilfiltration bleiben sonst unentdeckt.
Was bedeutet das?
PUPSIT (Pre-Use Post-Sterilisation Integrity Test) grundsätzlich gefordert, Ausnahmen nur risikobasiert.
Was ist zu tun?
Filterstrategie und PUPSIT-Ausnahmen dokumentieren, Testequipment qualifizieren.

Water & Steam

Warum eingeführt?
Kontamination im Wassersystem gefährdet ganze Chargen.
Was bedeutet das?
Systematisches Monitoring, Sanitization, Rouging-Programme, WFI auch per Membranverfahren möglich.
Was ist zu tun?
Wassersystem-CCS-Kapitel aufbauen, Monitoringplan aktualisieren.
Herzstück

Contamination Control Strategy (CCS)

CCS-Element

Personal

Qualifikation, Training, Verhalten, Gowning, Requalifizierung, Anzahl Personen in Grade A/B.

Typischer Fehler: Element wird als SOP-Liste geführt, ohne Verknüpfung zu Risikoanalyse und Monitoring.

CCS-Kernprinzipien
  • Ganzheitliche Sicht – nicht Einzelmaßnahmen
  • Risikobasiert (ICH Q9)
  • Verantwortlichkeiten definiert
  • Effektivität messbar
  • Jährliches Review verankert
  • Verknüpfung zu Change Control
Interaktiv

CCS Quick-Check

Prüfen Sie in 2 Minuten, wie vollständig Ihre Contamination Control Strategy die 14 Kernelemente adressiert. Der Quick-Check ersetzt keine formale Gap-Analyse – er zeigt Ihnen aber, welche Elemente auf Ihrer Agenda ganz oben stehen sollten.

Ergebnis
0%
0 von 14 Elementen adressiert
Offene Elemente
  • Personal
  • Gebäude & Anlagen
  • Prozesse
  • Reinigung
  • Desinfektion
  • Material & Komponenten
  • + 8 weitere
Vollständigen Annex-1-Selbstcheck starten
Barrieretechnologie

Barrieresysteme im Vergleich

Annex 1 (2022) empfiehlt Barrieresysteme als Stand der Technik für aseptische Prozesse. Offene Prozesse müssen ausdrücklich begründet werden. Ein Vergleich der gängigen Ansätze:

Konventioneller Reinraum (offen)

Kosten Risiko Sehr hoch
Vorteile
  • Flexibel
  • Geringe Investition
  • Einfache Umrüstung
Nachteile
  • Höchstes Kontaminationsrisiko
  • Personal als Hauptquelle
  • Aufwändige Umgebungsüberwachung
Typischer Einsatz: Ältere Anlagen, nicht-sterile Produkte, Grade C/D

Open RABS

Kosten €€Risiko Hoch
Vorteile
  • Reduzierte Interventionsrisiken
  • Nachrüstbar
  • Sichtbare Trennung Personal/Prozess
Nachteile
  • Offen zur Umgebung
  • Manuelle Interventionen möglich
  • Gowning weiterhin Grade B
Typischer Einsatz: Aseptische Abfüllung in bestehenden Grade-B-Bereichen

Closed RABS

Kosten €€€Risiko Mittel
Vorteile
  • Physisch geschlossen
  • Reduzierte Umgebungskontamination
  • Kürzere Umrüstzeiten als Isolator
Nachteile
  • Öffnungen für Interventionen bleiben Risiko
  • Dekontamination begrenzt
Typischer Einsatz: Moderne aseptische Linien

Isolator

Kosten €€€€Risiko Sehr niedrig
Vorteile
  • Höchste Sicherheit
  • Grade-C-Hintergrund möglich
  • VHP-Dekontamination
  • Geringere Betriebskosten (weniger Personal, weniger Gowning)
Nachteile
  • Hohe Investition
  • Lange Qualifizierung
  • Handschuhintegrität kritisch
Typischer Einsatz: Neubau aseptische Herstellung, hochpotente Wirkstoffe, ATMP

Laminar Flow (LAF)

Kosten €€Risiko Hoch
Vorteile
  • Punktuelle Grade-A-Bereitstellung
  • Flexibel
  • Bewährt
Nachteile
  • Kein physischer Schutz
  • Sehr abhängig von Personalverhalten
  • Nur mit Grade-B-Hintergrund
Typischer Einsatz: Wiegen, Probenahme, Materialtransfer, kleine Serien
Reinraumklassen

Grade A, B, C, D nach Annex 1

Annex 1 definiert vier Reinheitsgrade, die jeweils Anforderungen an Partikel, Mikroorganismen, Luftströmung, Monitoring, Bekleidung und Reinigung stellen. Für die reine ISO-Klassifizierung siehe unsere Seite Reinraumklassen.

GradeISO (op.)ISO (rest)PartikelMikroTypischer Einsatz
AISO 5ISO 5≥ 0,5 µm: 3.520 /m³< 1 KBE/m³Kritische Zone: aseptische Abfüllung, Stopfen setzen, offene Ampullen
BISO 7ISO 5≥ 0,5 µm: 352.000 /m³ (op)10 KBE/m³ (op)Hintergrund für Grade A bei offenen aseptischen Prozessen
CISO 8ISO 7≥ 0,5 µm: 3.520.000 /m³ (op)100 KBE/m³ (op)Vorbereitende Schritte für sterile Herstellung, weniger kritische Prozesse
Dnicht definiertISO 8≥ 0,5 µm: 3.520.000 /m³ (rest)200 KBE/m³ (op)Weniger kritische Vorbereitungsschritte, Materialschleusen
Prozessschritte

Aseptische Prozesse

1

Sterile Herstellung

Ansatzgefäße, sterile Filtration, geschlossene Systeme, PUPSIT bei Sterilfiltern.

2

Abfüllung

Kritischer Grade-A-Bereich, First-Air-Prinzip, minimale Interventionen.

3

Stopfen setzen

Interventionen begrenzen, Rauchstudien belegen ungestörte Luftführung.

4

Verschließen

Crimping in Grade A/B oder Grade C mit begründeter Risikoanalyse.

5

Sichtkontrolle

100 % visuelle Prüfung, ergänzt durch automatisierte Inspektion.

6

Transport & Lagerung

Bedingungen validiert, Kaltkette dokumentiert, Cross-Kontamination ausgeschlossen.

Menschen

Personal & Verhalten

Personal ist in Grade A/B die dominierende Kontaminationsquelle. Annex 1 fordert deshalb ein systematisches Qualifikations- und Verhaltenskonzept.

Zutritt minimieren

So wenige Personen wie möglich im aseptischen Kern. Anzahl in der CCS begründen.

Bewegungen

Langsam, zielgerichtet, keine schnellen Bewegungen unter Grade A.

Sprechen begrenzen

Kommunikation außerhalb der kritischen Zone. Kein unnötiges Sprechen unter LAF.

Hände & Schmuck

Kein Schmuck, keine Uhren, keine Kosmetik. Nagelpflege, gepflegte Haut.

Training

Grundschulung + jährliche Auffrischung, dokumentierte Media-Fill-Teilnahme.

Requalifizierung

Gowning-Test mindestens jährlich, in Grade A/B typischerweise halbjährlich.

Bekleidung

Reinraumkleidung

Overall

Steriler Einteiler, keine offenen Nähte, Bündchen an Hand- und Fußgelenken.

Haube

Vollständige Haarabdeckung, unter dem Kragen geschlossen.

Mundschutz

Sterile Maske, Nasenbügel geformt, kein Sprechen zum offenen Produkt.

Handschuhe

Sterile Handschuhe, mit Overall-Bündchen überlappt, Wechselintervall definiert.

Schutzbrille

Bei Grade A/B, verhindert Kontamination durch Augenreiben und Haare.

Stiefel

Sterile Überstiefel, Overall-Bündchen darüber, keine offene Sohle in der Schleuse.

Vertiefung: Reinigungssysteme und Gowning-Trainings der Akademie.

Reinigung & Desinfektion

Reinigung nach Annex 1

Reinigung und Desinfektion sind zwei getrennte, aufeinander aufbauende Prozessschritte. Annex 1 verlangt ein risikobasiertes, validiertes und dokumentiertes Konzept mit Wirkstoff-Rotation, mindestens einem Sporizid und geschultem Personal.

WirkstoffTypSpektrumSporizidEinwirkzeitMaterialPraxishinweis
Isopropanol 70 %AlkoholBakterizid, viruzid begrenztnein30–60 sMaterialverträglich, brennbarStandard-Wischdesinfektion Grade A/B
Ethanol 70 %AlkoholBakterizid, viruzid begrenztnein30–60 sMaterialverträglichAlternative zu IPA, geringere Rückstände
Wasserstoffperoxid (H₂O₂)OxidatorBreit, viruzidja (höhere Konz.)5–15 minEmpfindliche Metalle prüfenAls Flächen- oder VHP-Anwendung
PeressigsäureOxidatorSehr breitja5–10 minKorrosiv, PSA nötigSporizid-Rotation, Ausbruchsituation
Quart. Ammoniumverbindungen (QAV)KationischBakterizid, fungizidnein5–15 minRückstandsbildend, Rotation nötigGrade C/D, Böden, Wände
Chlorverbindungen (NaOCl)OxidatorBreitja5–15 minKorrosiv auf EdelstahlSelten in Reinräumen, nur gezielt
Aldehyde (z. B. Glutaraldehyd)AlkylierendBreitja10–30 minGeruchsintensiv, sensibilisierendIn der Reinraumreinigung heute selten
Umweltmonitoring

Monitoring & Trendanalyse

Annex 1 verlangt ein risikobasiertes, kontinuierliches Monitoring mit Partikeln, aktiven Luftkeimen, Sedimentations- und Kontaktplatten sowie statistisch begründeten Alarm- und Aktionsgrenzen und dokumentierter Trendanalyse.

Partikelmonitoring

Kontinuierlich in Grade A/B, ≥ 0,5 µm und ≥ 5 µm, Alarme bei Excursions.

Aktive Luftkeimsammlung

Impaktor, typ. 1 m³ Probe, Grade A: < 1 KBE/m³, Grade B: 10 KBE/m³.

Sedimentationsplatten

Ø 90 mm, max. 4 h exponiert, ergänzt aktive Sammlung.

Kontaktplatten

Ø 55 mm, glatte Oberflächen, nach der Arbeitsschicht in Grade A/B.

Personalmonitoring

Handschuh- und Bekleidungskontrollen nach jedem Prozessende in Grade A/B.

Trendanalyse

Wöchentliche/monatliche Auswertung, jährliches Trendreview in der CCS.

APS

Aseptic Process Simulation (Media Fill)

Wann?

Initial-Qualifizierung (3 Läufe je Line/Shift) plus mindestens halbjährliche Wiederholung.

Wie?

Nährmedium ersetzt Produkt, alle Worst-Case-Interventionen abbilden, mind. 5.000 Einheiten.

Bewertung

Kein positives Ergebnis akzeptiert (bei 5.000–10.000 Einheiten). Positive Einheiten führen zur Suspendierung.

Dokumentation

Interventionsliste, Personen, Zeiten, Umgebungsdaten – im QMS abgelegt und QP-freigegeben.

Qualifizierung

DQ · IQ · OQ · PQ

DQ

Design Qualification – URS und Design-Spezifikation gegen Anforderungen prüfen.

IQ

Installation Qualification – korrekte Installation, Utilities, Dokumentation.

OQ

Operational Qualification – Funktion in vorgesehenen Betriebsbereichen.

PQ

Performance Qualification – Nachweis unter Produktionsbedingungen, inkl. Prozesssimulation.

Zusätzlich: Requalifizierung, Kalibrierung, kontinuierliches Monitoring und Change Control als geschlossener Regelkreis.

Utilities

Wasser, Dampf & Gase

Purified Water (PW)

Pharmazeutisches Wasser für nicht-parenterale Zwecke. Kontinuierliche Zirkulation, Sanitization.

Water for Injection (WFI)

Höchste Wasserqualität, Destillation oder qualifizierte Membranverfahren, Endotoxin-Grenzwert 0,25 EU/mL.

Reindampf (Pure Steam)

Beim Kondensieren WFI-Qualität. Standard für SIP und Sterilisation.

Prozessgase

Sterile Filtration am Point-of-Use, Endotoxin-Monitoring, Materialverträglichkeit prüfen.

Druckluft

Ölfrei, Restfeuchte, Partikel, Keime überwacht. Verwendung in Grade A/B mit Sterilfiltration.

Stickstoff / CO₂

Inertisierung, Blanketing. Reinheit, Feuchte, Partikel und Endotoxine sind zu überwachen.

Dokumentation

Erforderliche Dokumente & SOPs

CCS (Contamination Control Strategy)
Reinigungs- und Desinfektionsplan
Monitoringplan mit Alarm-/Aktionsgrenzen
Abweichungs- und CAPA-System
Change Control
Training & Requalifizierung
APS / Media Fill Berichte
Trend- und Jahresberichte
Validation Master Plan
Site Master File

Über 40 fertige Vorlagen für SOPs, Anweisungen und Berichte finden Sie in unserer SOP- und Vorlagenbibliothek.

QRM

Risikomanagement nach ICH Q9

FMEA

Failure Mode and Effects Analysis – strukturierte Bewertung von Auftreten, Bedeutung und Entdeckung.

HACCP

Hazard Analysis and Critical Control Points – Fokus auf kritische Kontrollpunkte.

Risk Ranking

Vergleich und Priorisierung verschiedener Risiken für Ressourceneinsatz.

ICH Q9

Regulatorische Grundlage für QRM – seit 2023 als Q9(R1) mit Fokus auf subjektive Verzerrungen.

Was Prüfer häufig beanstanden

Typische Annex-1-Fehler

Keine dokumentierte CCS

Die CCS ist nicht als eigenständiges Dokument etabliert oder existiert nur als Sammlung einzelner SOPs ohne Verknüpfung.

Keine Trendanalyse im Monitoring

Grenzwertüberschreitungen werden einzeln bewertet, ohne systematische Trendanalyse und Frühwarnindikatoren.

Falsche oder unvollständige Reinigung

Reinigungsverfahren sind nicht validiert, Rückstandsgrenzen fehlen, Reihenfolge (rein → unrein) wird nicht eingehalten.

Keine Rotation der Desinfektionsmittel

Nur ein Wirkstoff im Einsatz, kein Sporizid, keine dokumentierte Wirkstoffwechsel-Strategie.

Personalqualifikation lückenhaft

Fehlende Gowning-Requalifizierung, kein Training zu Bewegungen, keine Media-Fill-Teilnahme aller relevanten Mitarbeiter.

Airflow-Studien fehlen oder veraltet

Keine visualisierte Luftströmung in Grade A/B, keine Wiederholung nach Änderungen, keine Betrachtung im Betriebszustand.

Keine oder unzureichende Media Fills

APS ohne Worst-Case-Interventionen, zu wenige Einheiten, Akzeptanzkriterien unklar.

Schwaches Change Control

Änderungen an Anlagen, Prozessen oder Personal ohne Auswirkung auf CCS und Requalifizierung bewertet.

Dokumentation nicht aktuell

SOPs veraltet, Trendberichte fehlen, Deviations nicht mit CAPA verknüpft, keine periodischen Reviews.

Reinraumkleidung falsch getragen

Anziehreihenfolge nicht eingehalten, Overalls berühren den Boden, Handschuhwechsel-Frequenz nicht definiert.

Für Vertiefung: Audit-Finding-Datenbank mit realen Beispielen und CAPA-Bibliothek.

Arbeitshilfen

Checklisten

Annex-1 Audit Checkliste

  • CCS vorhanden und aktuell
  • QRM systematisch dokumentiert
  • Trendanalysen etabliert
  • Airflow-Studien mit Video
  • APS gemäß aktueller Anforderungen
  • Gowning-Qualifikation dokumentiert
  • PUPSIT-Strategie definiert
  • Wasser-/HVAC-Monitoring lückenlos

CCS Checkliste

  • Alle 14 Elemente adressiert
  • Verantwortlichkeiten je Element
  • Verknüpfung zu SOPs
  • Jährliches Review geplant
  • Risiken quantifiziert (QRM)
  • Effektivitätsindikatoren definiert

Reinigungscheckliste

  • Reinigungsplan risikobasiert
  • Rotation Wirkstoffe inkl. Sporizid
  • Validierung Wirksamkeit + Rückstände
  • Materialverträglichkeit dokumentiert
  • Anwender geschult und requalifiziert

Monitoring Checkliste

  • Sampling-Plan risikobasiert
  • Alarm-/Aktionsgrenzen statistisch begründet
  • Trendreports automatisiert
  • Excursion Handling definiert
  • Reviews im QMS verankert

Bekleidungscheckliste

  • Auswahl je Grade definiert
  • Anziehreihenfolge visualisiert
  • Gowning-Qualifikation ≥ jährlich
  • Handschuh-Wechselintervall festgelegt
  • Sterilisation/Aufbereitung validiert
Für die Ausarbeitung eigener Prüfpläne empfehlen wir zusätzlich unseren Annex-1-Selbstcheck, den Reinigungskonzept-Check und den Ausschreibungsgenerator.
FAQ

Häufige Fragen zu GMP & Annex 1

Annex 1 des EU-GMP-Leitfadens regelt die Herstellung steriler Arzneimittel. Die aktuelle Fassung von 2022 (in Kraft seit 25. August 2023) ist der weltweit strengste Referenzstandard für aseptische Produktion.

Bereiten Sie sich optimal auf GMP-Inspektionen vor.

Vom CCS-Konzept über Reinigung und Monitoring bis zur Qualifizierung – Reinraum Inside bündelt Wissen, Tools und Anbieter für einen konformen Reinraumbetrieb.

Fachlich geprüftGeprüft von: Reinraum Inside Redaktion, FachredaktionVeröffentlicht: Zuletzt aktualisiert: