Höchste Reinheit, kaum realisierbar
- Typische Anwendungen:
- Halbleiter-Forschung, Nanotechnologie
- Branchen:
- Mikroelektronik, Forschung
- Beispiele:
- EUV-Lithografie-Prototypen, Spezielle Forschungslabore

ISO 14644-1 · EU GMP Annex 1 · Partikelklassen · GMP Grades A–D · Qualifizierung · Monitoring · Reinraumreinigung – verständlich erklärt.
Die Klassifizierung nach ISO 14644-1 basiert auf der Partikelkonzentration pro Kubikmeter Luft für bis zu sechs Partikelgrößen von 0,1 bis 5 µm.
Für die sterile Arzneimittelherstellung ergänzt EU-GMP Annex 1 die ISO-Klassifizierung um vier Reinheitsstufen mit mikrobiologischen Grenzwerten, Aufbewahrungs- und Betriebszuständen sowie kontinuierlichem Monitoring in Grade A und B.
ISO 5 at rest & in operation
Höchste Reinheitsstufe für aseptische Prozesse. Punkt-of-Fill, offene Ampullen, aseptische Verbindungen. Realisiert typischerweise über UDAF, RABS oder Isolator.
ISO 5 at rest / ISO 7 in operation
Unmittelbare Hintergrundzone für aseptische Vorgänge in RABS/UDAF. Kritisch für Personalzugang und Materialtransfer.
ISO 7 at rest / ISO 8 in operation
Herstellung nicht steriler oder terminal sterilisierter Produkte, Vorbereitung von Lösungen, Herstellung terminal sterilisierter Injektabilia.
ISO 8 at rest
Handhabung von Komponenten nach der Reinigung, Vorbereitung Rohstoffe, Verpackungsprozesse.
Aseptische Kernprozesse, UDAF, RABS, Isolator
Hintergrund zu Grade A, nicht sterile Herstellung
Vorbereitung, Verpackung, Handhabung Rohstoffe
Wichtig: Die Zuordnung ist branchenüblich, aber nicht 1:1 regulatorisch definiert. Grade A entspricht ISO 5 in beiden Zuständen und fordert zusätzlich mikrobiologisches Monitoring und Rückverfolgbarkeit.
Drei Fragen – eine Empfehlung. Ideal als schneller Einstieg.
Maximal zulässige Partikelanzahl pro m³ Luft, gemäß ISO 14644-1:2015.
| Klasse | ≥ 0,1 µm | ≥ 0,2 µm | ≥ 0,3 µm | ≥ 0,5 µm | ≥ 1,0 µm | ≥ 5,0 µm |
|---|---|---|---|---|---|---|
| ISO-Klasse 1 | 10 | – | – | – | – | – |
| ISO-Klasse 2 | 100 | 24 | 10 | – | – | – |
| ISO-Klasse 3 | 1.000 | 237 | 102 | 35 | – | – |
| ISO-Klasse 4 | 10.000 | 2.370 | 1.020 | 352 | 83 | – |
| ISO-Klasse 5 | 100.000 | 23.700 | 10.200 | 3.520 | 832 | – |
| ISO-Klasse 6 | 1.000.000 | 237.000 | 102.000 | 35.200 | 8.320 | 293 |
| ISO-Klasse 7 | – | – | – | 352.000 | 83.200 | 2.930 |
| ISO-Klasse 8 | – | – | – | 3.520.000 | 832.000 | 29.300 |
| ISO-Klasse 9 | – | – | – | 35.200.000 | 8.320.000 | 293.000 |
Werte gerundet nach ISO 14644-1 Tabelle 1. Werte mit „–“ sind laut Norm nicht spezifiziert (Messtechnik/Statistik). Vollständige Tabelle mit Anmerkungen im Partikelgrenzwerte-Tool.
Reinraumzonen sind kaskadiert aufgebaut: von außen nach innen steigen Reinheit und Druck. Personen und Material passieren Schleusen und gewinnen bei jedem Schritt Reinheit.
Nicht klassifiziert, hohe Partikellast.
Personal- oder Materialschleuse mit Kaskade zur nächsten Reinheitsstufe.
Kontrollierter Bereich, Rohstoffvorbereitung, Sekundärverpackung.
Herstellung nicht steriler oder terminal sterilisierter Produkte.
Hintergrund zu Grade A, aseptische Vorbereitung, hoher Personaleinfluss.
Kritische Zone: Point of Fill, offene aseptische Prozesse in UDAF/RABS/Isolator.
Reinraum ist installiert, HLK läuft, jedoch kein Personal aktiv und keine Prozesse laufen. Nach ISO 14644-1 typischerweise 15–20 min nach Personalabgang gemessen.
Reinraum mit vollem Personal- und Prozessbetrieb. Partikellast steigt deutlich – vor allem durch Bewegung, Kleidungsemission und Materialtransfer.
Kleinste relevante Partikel liegen im Bereich viraler DNA-Fragmente. Ein einzelnes menschliches Haar ist rund 700× größer als die Grenze ISO 1 (0,1 µm).
Zuluft über HEPA H13/H14, Abfuhr von Partikeln und Wärme. Als Richtwerte gelten:
| Klasse | Luftwechsel/h |
|---|---|
| Grade A / ISO 5 | Verdrängungsströmung 0,36–0,54 m/s |
| Grade B | 40–60/h |
| Grade C | 20–40/h |
| Grade D | 10–20/h |
Zwischen benachbarten Reinheitsklassen sollen 10–15 Pa Differenzdruck herrschen. Höhere Reinheit = höherer Überdruck. Bei potentiell gefährlichen Produkten (z. B. Zytostatika) wird ausnahmsweise Unterdruck genutzt.
| Klasse | Ausrüstung |
|---|---|
| Grade D / ISO 8 | Kittel, Haube, Bereichsschuhe |
| Grade C / ISO 7-8 | Overall, Haube, Maske, Handschuhe, Überschuhe |
| Grade B / ISO 5-7 | Steriler Ganzkörperoverall, Haube mit Nackenteil, Maske, sterile Handschuhe, sterile Überschuhe |
| Grade A | Wie B, zusätzlich Vollmaske/Schutzbrille, gedoppelte sterile Handschuhe, im Isolator angepasst |
| ISO 1–4 (Halbleiter) | Ganzkörperoverall, ESD-Ausrüstung, Handschuhe, Überschuhe, Gesichtsabdeckung, ggf. Sauerstoffversorgung |
Anziehreihenfolge: unten → oben und außen → innen. Doppelte Schleusung mit Bank, kein Berühren der Außenseite, Handschuhwechsel bei jeder Beeinträchtigung.
| Klasse | Reinigungsmittel | Sporizid | Mopp/Tuch | Frequenz |
|---|---|---|---|---|
| ISO 5 / Grade A/B | IPA 70 %, VHP | Peressigsäure, VHP | Steril, Einweg oder validiert | ≥ 1×/Schicht |
| ISO 7 / Grade C | Reinigungslösung + IPA | wöchentlich, sporizid | Mikrofaser, autoklaviert | 1×/Tag |
| ISO 8 / Grade D | Alkalisch + neutral | monatlich | Reinraum-Mikrofaser | 1×/Tag oder 1×/Schicht |
| ISO 9 | Standardreiniger + Desinfektion | risikobasiert | Reinraum-Mopp | 1×/Tag |
Alle Systeme und Komponenten sind wie geplant installiert. Dokumentation, Zeichnungen, Filter, Sensorik geprüft.
Anlage funktioniert innerhalb festgelegter Parameter: Luftströmung, Recovery, Druckstufen, Partikelklassifizierung.
Nachweis der reproduzierbaren Leistung im Betriebszustand inklusive mikrobiologischem Baseline-Monitoring.
Requalifizierung nach ISO 14644-2: ISO 5 und strenger alle 6 Monate, ab ISO 6 mindestens jährlich – inklusive Partikelklassifizierung, Airflow-Visualisierung und Filter-Integritätstest.
Sterile & nicht sterile Herstellung, aseptische Prozesse nach EU-GMP Annex 1.
Zellkultur, Fermentation, ATMPs.
Fertigung und Montage von Medizinprodukten, ISO 13485.
Chip- und Waferfertigung, EUV, Front-End.
Baugruppen, Sensorik, Präzisionsmontage.
Sensoren, Optik, Satellitenkomponenten.
Aseptische Abfüllung, Hochhygienezonen (EHEDG).
Sterile Ophthalmika, empfindliche Formulierungen.
Labor- und Prototypenumgebungen.
OP-Räume, Aufbereitung, Krankenhausapotheken.
Analytik, QC, mikrobiologische Labore.
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